Nie wieder Streit!?

 

Bei einem Streit können wir darauf schauen wodurch er ausgelöst wurde, wie er abläuft und wie er gelöst werden kann.

Wodurch wird er ausgelöst?

Bei streitigen Auseinandersetzungen geht es meistens um (vermeintlich) knappe Ressourcen. Wenn wir dabei in den Überlebensmodus geraten, fällt es uns schwer, uns als eine Gruppe auf einem gemeinsamen Planeten zu verstehen, als welche wir ganz selbstverständlich zu kooperieren versuchten. Im Vorfeld eines Streits sind wir tendenziell überfordert und verlieren unsere höheren Ideale aus den Augen. Wenn Meinungsverschiedenheiten zu einem Streit werden, geht es denn auch um unser Image, um das Recht haben an sich. Keiner will als Verlierer aus der Debatte hervorgehen, keiner will sich mit seinen „schwachen“ Seiten offenbaren, jeder will als der klügere und der bessere Mensch erkannt werden.

Wie ein Streit entsteht, ist dabei nicht immer offensichtlich. Hierzu das folgende Beispiel:

Wenn sich mehrere Personen unterhalten, z.B. eine Familie beim Abendessen, ohne sich dabei wirklich näher zu kommen, ohne sich mit ihren jeweiligen Beiträgen wirklich zu öffnen und ohne dass es zu neuen Erkenntnissen und Einsichten kommt, dann kann es zu einem emotionalen Stau kommen, der sich nach einer Weile in einem Streit entlädt. Frustrationen sind ohnehin genug vorhanden, denn wer lebt sein Leben so perfekt, dass kein Ärger zurückbleibt? Diesen können wir bei einem Streit loswerden, wodurch wir immerhin eine höhere Intensität der Begegnung erreichen, die wir auf „friedlichem“ Wege nicht zu erreichen vermochten.

Wie laufen Streits in der Regel ab?

Diese Ursachen, nämlich der Wunsch nach wirklicher, authentischer Begegnung und die Sehnsucht nach Bewusstseinsausdehnung und Kompetenzzuwachs sowie die Angst davor, entsprechende Schritte der Öffnung einzuleiten, werden meist nicht erkannt. Der Streit findet an der Oberfläche statt und die Beteiligten denken oft, dass es dabei um Inhalte ginge. Das ist nie der Fall, denn Inhalte könnte man in aller Ruhe gegeneinander abwägen und alle nötigen Informationen zusammentragen, um die besten Meinungen herauszufiltern. Wer dagegen erst einmal im Überlebensmodus „schwingt“, tendiert dazu, andere auch in denselben zu versetzen. Im Streit selbst kommt es häufig zu verletzenden Äußerungen, weshalb die darin enthaltene Kontaktanfrage leicht übersehen wird. Wenn der Streitpartner daraufhin ebenfalls verletzend wird, kann es zu einer Abwärtsspirale kommen, bei der sich beide Seiten moralisch im Recht fühlen.

Wie kann der Streit gelöst werden?

Meinungsverschiedenheiten müssten nicht zu einem Streit führen, wenn wir sie als etwas ganz Natürliches anerkennen und in ihrem vielfältigen Informationsgehalt bestmöglich nutzen würden.

„Zu einem Streit gehören immer zwei.“ Wenn wir diese These akzeptieren, brauchen wir uns schon um die Schuldfrage nicht mehr zu kümmern.

Ein Meinungsstreit ließe sich immer lösen, wenn die Beteiligten ihre emotionale Bewegung offen legten. Man müsste nur innehalten und eine Runde machen, bei der alle nacheinander zu Wort kommen und ihre Ängste in Bezug auf den Streit ausdrücken könnten, z.B. die Angst, durch eine Niederlage bei der Debatte als der Dumme dazustehen bzw. zu wenig für das Gute in der Welt erreicht zu haben.

Wenn man nach einer Angstrunde auch noch eine Wertschätzungsrunde machen würde, in der man sich über die Qualitäten der anderen Personen und ihrer Meinungen austauschte – auch wenn man diese für falsch hielte – wäre im nachfolgenden inhaltsbezogenen Gespräch, eine Kooperation leichter zu erreichen.

Bei einem Streit lohnt sich die Methode des Perspektivenwechsels besonders. „Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist.“ (altes Indianisches Sprichwort)

Jeder Streit kann so dazu genutzt werden, sich näher kennenzulernen, sich ehrlicher zu begegnen und sich miteinander auf die nächste Stufe von Authentizität zu begeben.

Wenn das alles nicht gelingt und wir im Streit auseinandergehen, so können wir doch im Nachklang eine ehrliche Selbstanalyse machen und uns dem Streitpartner gegenüber in herzlicher Weise offenbaren.